URSULA KRENZLER

Kunstverein zu Frechen e. V.,
Place to be
Ausstellung vom 6. bis 16. Juni 2019

Auszug aus der Rede von Dr. Jenny Graf-Bicher


Place to be – eine Überschrift, die die drei doch sehr unterschiedlichen Künstler
selbst für diese Ausstellung gewählt haben, in der sie sich offensichtlich
wiederfinden.

Eine einfache gängige Übersetzung des englischen Ausdrucks ist „der richtige Ort“,
„der perfekte Ort“, „der angesagte Ort“.

Schauen wir mit dieser Vorstellung im Kopf auf das große Bild von Ursula Krenzler auf
der Empore, können uns erste Zweifel kommen. Ein hell ausgeleuchtetes Zimmer,
eine Frau schaut nachdenklich in den schwarzen Nachthimmel. Der dominierende
Rot-Schwarz-Klang des Bildes lässt den Körper zart und fast verloren wirken. Der
Bildtitel „Silvester“ macht (über)deutlich, dass hier Fragen verhandelt werden wie:
Was macht einen Ort zu einem, an dem man sich niederlassen kann, an dem man
bleiben möchte, wann ist ein Ort mit Leib und Seele bewohnbar, leb-bar?
Einer so offenen Frage entspricht der englische Ausdruck in besonderer Weise.
‚Place‘ ist nicht nur der konkrete Platz, der Ort, sondern auch die engere oder weitere
räumliche Umgebung, die gestaltete Hülle, manchmal auch das Heim, die eigenen
vier Wände. Vor allem in Verbindung mit ‚to be‘ kann es der Ort zum Leben sein, mit
seiner ganzen existentiellen Dringlichkeit. In diesem weitgefassten Sinn ist „Place to
be“ der rote Faden dieser Ausstellung.

Die Malerin Ursula Krenzler arbeitet nur selten so gegenständlich und erzählerisch
wie in dem gerade betrachteten Werk. Die Reihe der kleineren Formate an der Seite
und der größeren vor Ihnen zeigt, dass vor allem die Farbe bildbeherrschend ist.
Starke, leuchtende Farben geben jeder Bildfläche eine klare Struktur. Vertikale,
horizontale und diagonale Flächen und Linien fügen sich zu satten Farbklängen, die
eine spezifische Atmosphäre schaffen, je nach der vorherrschenden Farbtemperatur.
Die Wärme der Rot- und Orange-Töne im zweiten Bild von links (Rotes Zimmer),
die blaue und blaugrüne Kühle im Bild daneben (Verlassenes Zimmer),
der lodernde Kontrast von Orange und Schwarz-Blau im zweiten Bild von rechts
(Partykeller).

Neben den Farben und den Farbkontrasten sind es vor allem zwei weitere
Spannungsmomente, die das Charakteristische – und Genüssliche – von Ursula
Krenzlers Bildern ausmachen:

zum einen gibt es da den vielschichtigen, sehr differenzierten Farbauftrag, der der
Bildkomposition eine pulsierende Lebendigkeit verleiht. Durch das Nebeneinander
von eher gatten Farbfeldern und gemusterten, ornamentierten oder aufgerissenen
Passagen entsteht ein vibrierendes Leuchten in der zunächst/ von weitem so klaren
Flächengliederung. (siehe großes Bild an der schrägen Wand, „White Room“).
Zum anderen verbirgt sich in der schwelgerischen Farbmalerei, die man rein abstrakt
aufnehmen kann, immer auch eine räumlich und gegenständlich lesbare Welt.
Allerdings geht das eine nicht im anderen auf. Trotz vereinzelter klarer Hinweise
(Treppchen zum Schwimmbad, Tapete und Tischchen im Japanischen Zimmer,
Fenster, Jalousien, Türen, tiefenräumlichen Perspektiven) übernimmt immer wieder
die malerische Überformung die Regie und führt zu „ungeklärten Resten“. Vor dem
titelgebenden Bild „Place to be“ (erstes von links auf der Empore) erleben Sie den
Reiz dieser Reibung zwischen abstrakter und gegenständlicher Lesart besonders
deutlich. (zwei weitere Werke sind im Büro zu sehen.)

Gerade in den menschenleeren, verlassenen oder auf Menschen wartenden
Innenräumen klingt die Frage an, wo und wie wir leben. Ursula Krenzler beantwortet
die Frage mit ästhetischen Mitteln, das heißt mit entschiedener Offenheit.